Kapitel 10: Warum sprechen wir nicht über unseren Glauben?.
Ich.Glaube.Das.

Jetzt lesen »

Kapitel 8: Die Begegnung mit Gott war anrüchig wie verbotener Sex
Ich.Glaube.Das.

Jetzt lesen »

 

Die meisten Menschen halten es für verrückt, zu glauben, dass ein unsichtbarer Gott, Einfluss hat.

Wie geht es dir?

Gibt es Segen in deinem Leben und entsteht daraus etwas Fruchtbares? Schreib es auf.

Gibt es eine Wahrheit, die dir eben bewusst wurde? Bist du bereit, sie aufzuschreiben?

Ich.Glaube.Das.

Glauben macht dich unendlich viel erfolgreicher als Unglauben.

Erlebe mit, wie das Buch entsteht. Schau mir über die Schulter. Erlebe, wie dein Glauben stark wird und dein Leben erfolgreich.

Werde Teil des Buches. Ich freue mich über deine Kommentare und dein Feedback.

Ich.Glaube.Das

Eine Heldenreise in den Reichtum und ins Glück.
“Das Unmögliche ist möglich. Es ist sogar viel eher möglich als das, was wir für möglich halten.” Ulrike Dietmann

Wie ging es weiter mit Lisa?

Die Begegnung mit Lisa, das merkte ich nach einer Weile, löste eine Krise bei mir selbst aus. Lisas Schmerz berührte auch meinen Schmerz. Auch ich war immer erfolgreich gewesen, weil ich leistete. Jetzt war ich gescheitert. Ich konnte nur schwer ertragen, dass ich Lisa nicht helfen konnte.

Seit 20 Jahren begleite ich Menschen auf ihrem Weg in die Spiritualität. Vielen Menschen kann ich gut helfen – aber es gibt andere, da scheitere ich. Ich stelle dann mich selbst in Frage. Ich leide.

Warum konnte ich Lisa nicht helfen? Es schien so offensichtlich: Ihre Geschichte schien ganz klar zu sein: Sie hatte seit ihrer Kindheit die tiefe Überzeugung, dass sie nur etwas wert war, wenn sie leistete. Sie war der Liebe Gottes begegnet und der Liebe eines Pferdes. Aber das änderte nichts. Ihre tief eingeprägte Überzeugung aus der Kindheit wog zu schwer. Sie konnte die Liebe Gottes nicht dauerhaft fühlen. Es blieb bei dem einen Mal.

Wie konnte ich Lisa vermitteln, dass nur die göttliche Gnade uns aus diesem inneren Gefängnis befreien kann? Wenn wir die Gnade Gottes nicht fühlen, bleiben wir Sklaven unserer festgelegten Überzeugungen. Wir glauben nicht, dass wir geliebt werden für das, was wir sind. Wir glauben, dass wir uns die Liebe verdienen müssen. Wir sind einsam. Und gleichzeitig sucht unsere Seele wie verrückt – nach Gottes Gnade.

Mir wurde immer klarer, dass ich gerade genau in diesem Muster gefangen war. Ich hatte mich richtig fest gebissen, in die Absicht, eine Lösung für Lisa zu finden. Ich durfte nicht scheitern. Ich suchte die Gnade Gottes, um Lisa helfen zu können. Aber ich fand sie nicht. Gott blieb stumm. Ich begann zu zweifeln, an mir, an meiner Mission, an allem, was ich bisher geglaubt hatte.

Da stehe ich jetzt und heute, jetzt, wo ich das aufschreibe. Die Begegnung mit Lisa betrifft auch dieses Buch. Ich weiß nicht, was ich in diesem Kapitel schreiben soll. Ich habe nichts. Nichts für Lisa und nichts, was ich aufschreiben kann. Ich bin eine Autorin ohne einen Stoff. Eine Autorin mit einer Schreibblockade. Ich bin eine gescheiterte Visionärin und eine gescheiterte Missionarin.

Hast du eine Antwort für mich?

Liebe Leserin, lieber Leser, hast du eine Antwort für mich?

Bitte schreibe sie auf, gerne hier in die Kommentare.

Ich glaube, ich muss etwas aufschreiben, was ich eigentlich nicht aufschreiben will, weil es mir zu persönlich ist. Ich merke aber, dass sich nichts bewegt, weil ich der Wahrheit ausweiche. Ich traue mich nicht, der Wahrheit ins Gesicht zu sehen. Ich will es nicht aufschreiben, weil es mit Leroy zu tun, dem Mann, mit dem ich mein Leben teile. Er hat mir jedoch erlaubt, dass ich über ihn schreiben darf.
Mir wird immer klarer, dass ich Gott nur wiederfinden kann, wenn ich dem ins Auge schaue, wovor ich am meisten Angst habe.

Also … die Situation ist die:

Ich bin gerade an einem wunderschönen Ort im Hinterland von Jamaika, zusammen mit Leroy. Wir renovieren ein kleines Haus, das seinem Dad gehört. Sein Dad hat vor ein paar Jahren mit dem Bau angefangen, aber ihm gingen die Mittel aus. Leroy und ich haben beschlossen, den Hausbau zu Ende zu führen. Um mich herum sind Männer, jüngere und ältere, die harte Arbeit leisten, schwere Steine tragen. Alle Arbeit wird mit der Hand gemacht, ohne Maschinen. Der Beton wird ohne Zementmischer zusammen gemischt. Schwere Steine werden von einem Ort an den anderen getragen, um eine Wand aufzubauen, die eine Erdgrube absichern soll. Einer der Männer steht in einer Grube und nimmt einen schweren Stein in Empfang, den ein anderer ihm reicht. Er rollt ihn langsam an der Erdwand entlang hinunter. Das braucht Präzision und Kraft und Ausdauer. Ich beobachte die Männer fasziniert. Stein auf Stein entsteht eine Wand. Nebenbei rauchen sie einen Joint oder trinken ein Bier, Reggaemusik läuft, die Männer reden ohne Pause. Harte Arbeit und heitere Stimmung.

Ich hatte gehofft, dass ich in dieser Naturenergie Inspiration finde für mein Buch. Aber was ist passiert? Ich bin müde. Ich bin unendlich müde. Ich bin so müde wie schon lange nicht mehr. Ich merke, wie viel Unwahrheit sich in mir angesammelt hat, durch das, was in der Welt global vor sich geht. Die USA haben den Iran angegriffen und deren Führer getötet. Auch wenn ich keine Nachrichten hätte, würde ich fühlen, dass die Welt brennt. Ich fühle zu viel. Ich denke zu viel. Ich suche zu sehr nach Lösungen. Ich fühle mich unfähig, ich bin müde und ich verurteile mich selbst. Ich muss leisten, weil ich gerufen bin. In mir ist ein Feuer. Ich kämpfe mit Gott in mir, mit dieser starken Kraft in mir. Ich fühle, dass ich der Wahrheit ausweiche. Aber wo genau? Ich muss es herausfinden.

Die Geschichte, die ich nicht erzählen möchte, ist eine Geschichte mit Leroy, für die ich mich schäme. Deshalb will ich sie nicht erzählen. Ich will sie nur vergessen. Aber sie lungert da herum wie ein träges Krokodil, das den Weg versperrt.

Letzte Woche verließ Leroy abends die Wohnung, ohne zu sagen, wohin er geht. Das hatte er schon öfters gemacht und es hatte mich nicht irritiert. Ich hatte ihn nicht gefragt, ich wollte ihm nicht das Gefühl geben, dass er kontrolliert wird, denn das will ich selbst nicht. Manchmal hatte ich gedacht: Vielleicht hat er eine Geliebte, die er besucht, aber ich hatte es nie angesprochen.
In dieser Nacht wachte ich um zwei Uhr morgens auf und konnte nicht mehr einschlafen. Das passiert mir selten. Auch zwei Stunden später konnte ich nicht mehr einschlafen. Das passiert mir extrem selten. Das ist für mich ein Zeichen, dass mich etwas sehr aufwühlt, etwas, das ich nicht mehr kontrollieren kann. Ich fragte mich, was mir helfen könnte. Ich überlegte, dass es mir helfen könnte, ein Buch zu lesen und von allen Büchern wählte ich Viktor Frankl “Man’s search for meaning” (auf deutsch: „…trotzdem Ja zum Leben sagen: Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager“) Dieses Buch ist ein weltweiter Klassiker. In diesem Buch schreibt Viktor Frankl über sein Leben im Konzentrationslager des Zweiten Weltkriegs. Ich hatte dieses Buch immer lesen wollen, aber hatte es auch gemieden, weil ich Angst vor dem hatte, was darin beschrieben wird.

Jetzt las ich es. Die Schilderungen des menschenunwürdigen Lebens im Konzentrationslager waren zutiefst schockierend. Sie hätten mich berühren müssen, aber das taten sie nicht. Ich hatte wohl gehofft, dass mich diese grausamen Schilderungen ablenken würden von meinen eigenen grausamen Gedanken. Ich war nämlich inzwischen überzeugt, dass Leroy eine Geliebte hatte. Warum blieb er sonst die ganze Nacht weg?
Um 5:00 Uhr morgens kam Leroy nach Hause. Ich war verzweifelt. Ich fragte ihn, wo er gewesen war. Er antwortete nicht. Stattdessen wollte er mich umarmen. Ich schob ihn weg. Das verletzte ihn, aber das war mir egal. Er hatte es verdient. Meiner Meinung nach. Ich war außer mir. Leroy zog sich zurück. Das bestätigte mir nur noch mehr, dass ich recht hatte. Er hatte eine Geliebte. Er betrog mich. Und zwar schon länger. Wo sollte er sonst die Nacht verbracht haben? Am nächsten Morgen fragte ich ihn wieder, wo er gewesen war, und er antwortete nicht. Das machte mich unglaublich wütend. Ich war so wütend, dass meine Fantasie ganz und gar mit mir durchging. Ich war jetzt 100 Prozent sicher, dass er eine Geliebte hatte. Er würde mich mit HIV anstecken, ich würde elend enden. Ich überlegte, wie ich die Beziehung beenden konnte, sofort, heute noch. Ich wollte nur eines: diesen Schmerz nicht mehr fühlen. Ich merkte, dass ich nicht bei mir war, ich merkte, dass ich nicht klar denken konnte, dass ich nicht einmal einen Frühstückstisch decken konnte, ohne verwirrt durch die Wohnung zu rennen und unzählige Fehler zu machen. Ich merkte, wie die pure Wut in mir tobte.
Eine Stimme in mir sagte, dass ich jetzt nichts Unüberlegtes tun sollte, aber meine Gedanken rasten. Ich musste etwas tun. Schließlich rief ich eine gute Freundin an.
“Ich brauch dich jetzt. Du musst mir helfen. Sonst tue ich etwas, das ich nachher sicher bereue.” Ich schilderte ihr die Situation und wartete auf ihre Antwort. Ich bekam eine ganz klare Ansage. Mit ruhiger Stimme erklärte sie mir:
“Ulrike, du tust jetzt gar nichts. Du verlässt jetzt das Haus. Du gehst ans Meer, schwimmen und kühlst dich ab. Vor allen Dingen triffst du jetzt keine Entscheidungen.” Sie hatte recht. Ich verließ das Haus, ging in die Stadt und bald war ich abgekühlt. Ich war wieder ich selbst. Ich setzte mich mit Leroy zusammen, und wir redeten in Ruhe.
Warum war das passiert? Warum war ich so unglaublich wütend geworden?

Mir wurde klar, dass ich in unserer Beziehung die Rolle der Coolen übernommen hatte. Die Coole, die nie eifersüchtig ist. Die Coole, die über allem steht. Die Coole, die nichts aus der Ruhe bringt. Die erfahrene Frau, die das Leben kennt. Ich hatte mich so sehr in diese Rolle hinein gesteigert, dass ich selbst bei den Schilderungen von Viktor Frankl aus dem Konzentrationslager cool blieb.
Eifersucht, Wut, Angst, das war nicht erlaubt. Ich hatte diese Gefühle so sehr unterdrückt, dass sie jetzt explodiert waren und ich sie nicht mehr kontrollieren konnte.

Leroy weigerte sich weiterhin, zu sagen, wo er die Nacht verbracht hatte. Er weigerte sich, von mir unter Druck gesetzt zu werden.
“Ich hatte so große Angst”, sagte ich.
“Warum hast du mich nicht angerufen”, fragte er?
Ja, warum hatte ich ihn nicht angerufen?

Ich konnte ihn verstehen. Das Problem war nicht er, sondern ich. Er sagte mir, dass es keine andere Frau gibt, aber ich konnte ihm nicht glauben. Schließlich erfuhr ich, dass er seinen Bruder besucht hatte, der in derselben Stadt wohnt, dass er eingeschlafen war und erst am frühen Morgen aufgewacht. Als er das sagte, atmete ich tief aus. Ich glaubte ihm.

Aber was war eigentlich passiert? Dahinter gab es ein noch größeres Bild. Dahinter lag eine ganze Geschichte von Verletzungen, die ich erlebt hatte in Beziehungen. Diese Erfahrungen hatten mich dazu gebracht, mich nicht mehr wirklich auf die Liebe einzulassen. Mit Leroy schien es ganz einfach zu sein. Er war 30 Jahre jünger, er hatte nicht viel Verletzendes erlebt. Die Beziehung war mehr ein Spiel als echte Liebe. Zumindest für mich, aber nicht für ihn.

Er war kein Spieler der Liebe.

Er war ein verspielter Mensch, ein Freigeist, aber er spielte nicht mit meinem Herz. Das wollte ich nicht wahrhaben. Ich wollte nicht wahrhaben, dass er mich wahrhaftig liebte. Ich hatte Angst vor der Liebe selbst. Das hatte sich gezeigt, in dieser Nacht, hinter meinen Rachegefühlen, hinter meiner Absicht, die Beziehung sofort zu beenden und wieder die Kontrolle zu gewinnen.
Die Liebe mit Leroy ist anders als alle Beziehungen, die ich zuvor hatte. Jetzt, wo ich das aufschreibe, fühle ich die Gnade Gottes. Denn ich habe nichts dazu getan. Ich habe Leroy nicht gesucht. Gott hat ihn mir geschickt. Ich habe alles getan, um mein Herz verschlossen zu halten. In dem Moment wurde mir bewusst, wie leicht es ist, aus der Gnade Gottes herauszufallen. Jetzt verstand ich auch, warum ich so so müde war. Der ganze Widerstand, mit dem ich diese Liebe draußen gehalten hatte, machte mich unendlich müde. Wenn ich mein eigener Coach wäre, würde ich das klar erkennen. Jetzt, wo ich es aufschreibe, fühle ich die Gnade Gottes. Ich fühle, wie sie auch für Lisa kommen wird. Auch Lisa wird sie wieder finden. Gott wird sie aufsuchen – im richtigen Moment.
Auch meine Mission wird weitergehen. Mir wurde auch bewusst, dass ich in einer Zerreißprobe war. Ich hatte unbewusst geglaubt, dass, wenn ich mich auf die Liebe mit Leroy einlasse, dass ich dann meiner Mission untreu werde. Ich hatte geglaubt, es gibt nur das eine oder das andere. Entweder gehe ich 100 Prozent für meine Mission oder ich gehe 100 Prozent für die romantische Liebe. Jetzt sehe ich, dass beides zusammen gehört: Die Liebe zu Leroy und meine Mission mit den Menschen. Leroy gibt mir die Kraft, in die Welt hinauszugehen und den Menschen die Liebe Gottes zu zeigen.

„Ihr seid gerettet aus Gnade, durch Glauben.”

PS. Es war gar nicht so schwer, es aufzuschreiben …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Weitere Kapitel

Kapitel 10: Warum sprechen wir nicht über unseren Glauben?.
Ich.Glaube.Das.

Weiterlesen »

Kapitel 8: Die Begegnung mit Gott war anrüchig wie verbotener Sex
Ich.Glaube.Das.

Weiterlesen »

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert